last update 01 OCTOBER 2014

Situation der Indigenen Bevölkerungsgruppe in Kolumbien

Aktuelle Situation der Indigenen Bevölkerungsgruppe in Kolumbien

  • Die Daten über die Anzahl der Völkerschaften in Kolumbien sind nicht Definitiv. Die offiziellen staatlichen Volkzahlungen weisen eine Anzahl von 87  verschiedenen Völkerschaften aus, während die Nationale Indigene Organisation von Kolumbien (ONIC) bestätigt, dass es 102 verschiedene Indigenen Bevölkerungsgruppe gibt. Von diesen 102 Völkerschaften sind 34 Gemeinschaften heute in ihrer Existenz bedroht. Innerhalb der genannten vielfältigen Bevölkerungsgruppen existieren 11 verschiedene Sprachenfamilien mit ihren Untergruppen: Insgesamt werden noch 64 Indigene Sprachen in Kolumbien gesprochen, wobei mindestens 10 von ihnen bedroht sind.
  • Die aktuelle Situation der Indigenen Ethnien in Kolumbien ist Besorgnis erregend. Die aktuellen anthropologischen und soziologischen Forschungen zeigen, dass 27 Ethnien und ungefähr 10 Indigenen Sprachen in ihrer Existenz bedroht sind. Es gibt verschiedene Faktoren, die diese Realität beschweren. Ich werde versuchen die Wichtigsten zu nennen und dabei zu klären, welche Rolle die Frau in diesem Prozess einnimmt.
  • In Kolumbien herrscht ein ziviler Krieg seit mehr als 60 Jahren. Trotzdem ist die Zerstörung und Vernichtung der Indigenen Bevölkerungsgruppe als ein Prozess zu identifizieren, der mit der spanischen Kolonisierung angefangen ist. Es gibt keine Statistik, um zu untersuchen, wie viele Ethnische Minderheiten verschwunden sind und welche jährliche Anzahl die Vernichtung der Völkerschaften beträgt. Die Situation der Indigenen Ethnien hat sich in den letzten Jahre dramatisch verschlechtert. Die Kernproblematiken sind: die erzwungene Umstellung von Territorien, die falsche staatliche Einbeziehung der Indigenen als Teil einer Guerillabewegung, der Amoklauf von Indigenen, die staatliche Diskriminierung und die staatliche Unverantwortlichkeit im Hinblick auf die Einhaltung der Menschenrechte.
  • Die Indigenen leben in Schutzgebieten in verschieden Teilen Kolumbiens. Diese Schutzgebiete sind im Regenwald oder in ländlichen Zonen des Landes, in welchen es eine hohe Quote von bewaffneten Konfrontationen zwischen den Paramilitärs, der Guerilla und der Armee gibt. Die Völkerschaften sind immer in der Mitte dieser Auseinandersetzungen gewesen. Um nicht an Ort und Stelle massakriert zu werden, bleibt den Indigenen oft nur die Flucht. Dies ist ein verworrenes, aufgeregtes und furchtbares Panorama, das es verhindert, eine gewissenhafte Umsiedlung durchzuführen. Männer, Frauen und Kinder gehen hoffnungslos weit weg von dem Konflikt, um ihr Leben schützen zu können. Die erzwungene Flucht von Menschen ist in Kolumbien systematisch geworden. Erreichen die Indigenen eine Stadt, versuchen sie dort mit den staatlichen Autoritären zu sprechen, um Lösungen für ihr Bleiben zu finden. Aber die lokale Regierung ist auf solche Situationen selten vorbereitet und findet keine effiziente Lösung. Dadurch werden die Gemeinschaften fast immer in einen großen Raum untergebracht, in dem ungefähr 100 Menschen zusammen leben müssen. Im Allgemeinen hat dieser Raum keine Toilette, keine hygienische Infrastruktur, keine Betten, keine Küche und keine ärztliche Betreuung. Die Indigenen, die Stunden und Tagen gelaufen sind, sehen sich mit der Situation konfrontiert, dass ihre Kinder verhungern und viele Menschen ihrer Gemeinschaft die Notsituation von Dehydration und die Schusswunden und anderen Verletzungen nicht überleben. Durch den Mangel an ärztlichem Zugang, werden viele ernsthaft krank und sterben. Oft gibt es viele „weiße“ Krankheiten, die schreckliche Auswirkungen unter den Indigenen haben, weil sie keine Immunität dagegen besitzen. Die Grippe zum Beispiel, hat viele Indigenen den Tod gebracht. Außerdem ist wegen des Gedränges die schnelle Übertragung von Krankheiten und Viren wahrscheinlich. Aber weder die lokalen Regierungen noch die zentrale Regierung haben effiziente und gute Lösungen anzubieten. Die Indigenen, die in der Stadt kommen geraten in kürzester Zeit in Not und Elend: sie haben keine Möglichkeit zum Gartenbau, können sich nicht nach der traditionellen Diät ernähren. Sie kennen die kommerziellen Dynamiken und die lohnabhängige Beschäftigung nicht. Das Leben in der Stadt ist völlig anders als das Leben im Regenwald. Die Traditionen und die Riten können nicht mehr ausgelebt werden. Unter dieser Realität leiden nicht nur die Menschen, sondern auch die Weltanschauung der Indigenen. Die Menschen sterben rasant und die Sterblichkeitsrate der Kinder ist heute unter den genannten Bedingungen fast so hoch wie vor 500 Jahren. Die Überlebenden betteln um Geld oder verdienen sich als Prostituierte. Die Dimensionen dieser Problematik sind nicht nur politisch, sondern auch kulturell, sozial, ökonomisch, ökologisch und ideologisch.
  • Die Indigene Bevölkerung, hat sich gegen diese Situation gewehrt. Die Indigenen Autoritäten haben 2004 alle Völkerschaften aufgerufen, sich gegen die bewaffneten Akteure auszusprechen. Sie haben festgelegt, sich gegen die bewaffneten Akteure zu stellen und jegliche Zusammenarbeit abzubrechen. Das betraf nicht nur die Guerillagruppen und Paramilitärs, sondern auch die staatliche Armee. Diese radikale Position war das Ergebnis systematischer Menschenrechtsverletzungen, die auch und oft durch die staatliche Armee verübt wurden. Der Wiederstand gegen die Armee hat die Situation weiter beschwert: die Indigenen werden als Guerilla bezeichnet und zu Staatgegnern erklärt, deren Vernichtung als legitim angesehen wird. In diesem Zusammenhang sind die Amokläufe der Indigenen zu betrachten
  • Dieser Prozess der Mobilisierung von Indigenen gegen die Verletzung ihrer Rechte als Menschen und ethnische Minderheit hat 2004 mit dem Namen „La Minga por la vida“ wieder Kraft bekommen. „Minga“ oder Minka ist ein Quechua Wort, das  gemeinsame Arbeit zu einem sozialen Zweck bedeutet. 2004 und 2008 gab es zwei große Mobilisierung von Indigenen aus verschiedenen Ethnien mit einem Anzahl von 45.000 in der Ersten und 60.000 in der Zweiten Bewegung.  Die „Minga por la vida“ kämpft für die Schutzgebiete-Rechte, gegen die Verletzung der Menschenrechte, für die Indigenen Rechte und das Indigene Selbstbewusstsein, gegen die Multinationalen Konzerne, das TLC (Freihandelsabkommen) und die ökonomischen Megaprojekte, gegen die Identifizierung von Indigenen als Guerilla, für die staatliche Unterstützung und effiziente Lösungen im Fall von erzwungener Umsiedlung, für den Respekt gegenüber der Indigenen Weltanschauung.
  • Das Ziel der Mobilisierung ist es, diese Realität in die Öffentlichkeit zu tragen, damit die nationalen und der internationalen Gemeinschaft als Information anerkennen kann. Wenn der Staat nicht die Sicherheit, die Menschenrechte, das Wohlbefinden und die Würde des Menschen schützen kann, sollen die internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen und NGOs durch diese Informationen humanitäre und politische Unterstützung leisten. Das Ersuchen ist in diesem Fall die Bildung eines Gerichtshofes, der die Verletzung von Indigenen Rechten und Menschenrechten unter suchen und bestrafen, gegen die staatliche Behandlung von Indigenen intervenieren und schließlich den Staat über die humanitäre Krise informieren und Empfehlungen aussprechen soll. Am dringendsten wäre der Abzug bewaffneter Gruppen aus den Schutzgebieten.
  • Die Frauen und Mädchen werden in der Indigenen Weltanschauung als Lebensgeberinnen Kulturgeberinnen und – Multiplikatoren betrachtet. Sie haben eine heilige Rolle, durch ihre Möglichkeit Kinder zu bekommen, wodurch die Ethnie die Chance hat, sich weiter zu entwickeln und nicht mehr in ihrer Existenz bedroht zu sein. Kinder bedeuten, den Raum für die traditionelle Kultur und die Indigene Identität zu erhalten. Frauen sind die Kultur- und Ideologieträgerinnen. Die Indigenen Bevölkerungsgruppen glauben ohne Zweifel, dass nur durch die Frauen die Indigene Kultur und Weltanschauung überleben kann. Die Frauen, die in den Schutzgebieten bleiben, sollen die Indigene Weltanschauung den Kindern beibringen und dadurch die Kultur stärken. In der Gegenwart hat sich die gesundheitliche Lage der Kinder verschlimmert; durch das Versprühen von Pestiziden im Rahmen des Krieges gegen den Drogenhandel haben Kindersterblichkeit, Missbildungen von Säuglingen und Vergiftungen potenziell zugenommen.
  • Die traditionelle Rolle der Indigenen Frauen steht in Verbindung mit der Erziehung der Kindern in Bezug auf das Wissen über Pflanzen, Tiere, die Muttersprache und geistige Kenntnisse. Wenn in der Völkerschaft Konflikte herrschen -entweder innerhalb des Clans oder mit anderen Indigenen Gemeinschaften- nehmen die Frauen eine versöhnliche Haltung ein. Sie sollen die sozialen Auseinandersetzungen lösen und Ratschläge geben, wenn es einen Konflikt mit einer anderen Ethnie gibt.
  • In diesem Prozess haben die Frauen eine Hauptrolle. Zuerst sind die Frauen in der Indigenen Kultur diejenigen, die die Fähigkeit, bei Konflikten zu versöhnen, haben. In dieser politischen Lage sind es die Frauen, die das Indigene Wort und die politischen Forderungen vor der Staat, die Guerilla und die Paramilitärs tragen. Von die Guerilla und den Paramilitärs fordern die Frauen die Rückgabe ihrer Söhne, die zur  Rekrutierung gezwungen wurden.
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